Die Sumelys Wurmfarm ist ein in Corona-Zeiten entstandenes praktisches Kreislaufprojekt, bei dem organische Materialien mithilfe von Regenwürmern zu wertvollem Humus verarbeitet werden. Dabei geht es nicht nur um die Wurmfarm selbst, sondern darum, zu zeigen, wie aus scheinbar wertlosen Reststoffen wieder etwas Neues entstehen kann. Kinder, Jugendliche und Nachbarschaft können den gesamten Prozess praktisch kennenlernen und mitgestalten.
Wie ist die Idee entstanden?
Die Idee entstand aus der Frage, wie Nachhaltigkeit im Alltag praktisch und verständlich umgesetzt werden kann. Statt nur über Müllvermeidung und Kreislaufwirtschaft zu sprechen, wollten wir einen sichtbaren Kreislauf schaffen, den Menschen selbst erleben können: sammeln, vorbereiten, verarbeiten, beobachten und am Ende wieder etwas Wertvolles zurückgewinnen.
Was wünscht sich die Familie für das Projekt?
Wir wünschen uns, dass aus der Wurmfarm ein lebendiges Gemeinschaftsprojekt entsteht, an dem Schulen, Kinder, Jugendliche, Familien und Menschen aus der Nachbarschaft beteiligt sind. Wir möchten einen Ort schaffen, an dem Wissen praktisch weitergegeben wird, Menschen Verantwortung übernehmen können und Nachhaltigkeit nicht nur erklärt, sondern gemeinsam umgesetzt wird. Langfristig wünschen wir uns ein Netzwerk, das solche Kreislaufprojekte dauerhaft in den Kiez bringt.

Regenwürmer als Kompost-Motor: Kleine Tiere mit großer Wirkung
Regenwürmer sind für die Kompostqualität weit mehr als ein nettes Beiwerk, sie sind die eigentlichen Bioreaktoren, die aus Küchen- und Gartenabfällenoder auch Zeitungspapier hochwertigen Humus machen.
Was die Würmer konkret leisten
Ein Regenwurm frisst organisches Material, verdaut es im Darm und scheidet es als nährstoffreichen Wurmkot wieder aus, im Grunde ein kleiner Bioreaktor, der am Ende hochwertigen Kompost produziert. Durch ihre grabende und fressende Tätigkeit belüften sie zudem den Kompost bzw. Boden und erhöhen dessen Wasserhaltefähigkeit. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass Regenwürmer die Luftzirkulation im Komposthaufen durch ständiges „Umwälzen“ des Substrats aufrechterhalten und so aerobe Bedingungen sichern, eine Voraussetzung für saubere, geruchsarme Verrottung ohne Fäulnisprozesse. Beim Zermahlen des Materials vergrößern sie außerdem die Oberfläche der organischen Abfälle, was Mikroorganismen leichteren Zugriff zum weiteren Abbau verschafft.
Ein oft unterschätzter Effekt: Im Wurmdarm werden Mineralstoffpartikel und organischer Dauerhumus zu stabilen Komplexen verbunden. Diese Ton-Humus-Komplexe verbessern die Nährstoff- und Wasserspeicherfähigkeit erheblich und sorgen für eine krümelige, luftige Struktur, in der sich wiederum viele nützliche Mikroorganismen ansiedeln können. Bei diesem Verdauungsprozess werden zudem Krankheitserreger und Pilzsporen weitgehend abgetötet, weil Regenwürmer entzündungshemmende Flüssigkeiten in das Material abgeben.
Zahlen, die den Unterschied belegen
In gut besiedeltem Boden scheiden Regenwürmer schätzungsweise bis zu 100 Tonnen nährstoffreichen Wurmkot je Hektar und Jahr aus. Beim gezielten Wurmkompostierung (Vermicompostierung) mit Kompostwürmern wie dem Roten Kalifornischen Wurm (Eisenia fetida) und dem Tauwurm (Dendrobaena venata) entsteht sogenannter Wurmhumus, der eine deutlich höhere Konzentration an Huminsäuren, Fulvinsäuren und nützlichen Mikroorganismen enthält als herkömmlicher Kompost. Studien zur Nährstoffbilanz sprechen von etwa doppelt so hohen Makro- und Mikronährstoffgehalten in Wurmkot gegenüber gewöhnlichem Gartenkompost. Eine wissenschaftliche Studie zur Optimierung von Wurmkompostierung mit Biokohle zeigte zudem, dass eine gesteigerte Wurmaktivität zu einem Gesamtnährstoffgehalt von 5,38 Prozent und einer Keimfähigkeit von Testsamen von 88 Prozent führte, ein direkter Qualitätsindikator.
Regenwürmer beschleunigen außerdem den gesamten Zersetzungsprozess erheblich: Sie fördern den natürlichen biologischen Abbau organischen Materials um 60 bis 80 Prozent, indem sie das Wachstum nützlicher aerober Zersetzerbakterien im Abfallmaterial begünstigen. Das fertige Vermicompost-Produkt ist dabei geruchlos, unkrautfrei und vollständig zersetzt.
Praktische Relevanz für Gärtner
Für den heimischen Kompost sind vor allem sogenannte Streuschichtwürmer wie Eisenia fetida und Dendrobaena venata relevant, die im Volksmund als Kompostwürmer bezeichnet werden, im Unterschied zu den tiefer grabenden Tauwürmern, die eher im Gartenboden aktiv sind. Wer im eigenen Komposthaufen Würmer entdeckt, sollte das als gutes Zeichen werten: Kompostwürmer bevorzugen lockere, nährstoffreiche Schichten aus verrottenden Pflanzenresten und zeigen damit an, dass Nahrung und Lebensbedingungen im Kompost stimmen. Ihre Gänge lockern das Material zusätzlich auf, ihre Ausscheidungen werden weiter von Mikroorganismen zersetzt.
Für die Praxis bedeutet das: Ein Komposthaufen oder Wurmkomposter mit aktiver Wurmpopulation liefert nicht nur schneller fertigen Humus, sondern auch ein nährstoffreicheres und strukturell hochwertigeres Endprodukt als rein mikrobielle Kompostierung ohne Würmer.

