Mit dem Gedenkprojekt „Sie wollten leben!“ wird vom 13. Oktober bis zum 16. November 2026 auf 25 Litfaßsäulen im gesamten Berliner Stadtgebiet an Menschen erinnert, die von den Nationalsozialisten verfolgt und ermordet wurden.
Großformatige Plakate zeigen Fotografien, Stolpersteine und Gedenktafeln sowie Kurzbiografien. Sie geben 100 Menschen ein Gesicht und machen ihre persönlichen Schicksale sichtbar. Anlass des Projekts ist der 85. Jahrestag des Beginns der Deportationen jüdischer Menschen aus Berlin: Am 18. Oktober 1941 verließ der erste sogenannte „Osttransport“ die Stadt.
„Sie wollten leben!“: Berlin erinnert an den ersten „Osttransport“
85 Jahre nach dem Beginn der Deportationen jüdischer Menschen aus Berlin rückt das Gedenkprojekt „Sie wollten leben!“ die Schicksale der Verfolgten in den öffentlichen Raum. Auf 25 Litfaßsäulen in allen Berliner Bezirken erinnern großflächige Plakate an die Opfer des nationalsozialistischen Terrors. Gedenkveranstaltungen begleiten das Projekt vom 13. Oktober bis zum 16. November 2026.
Vom Sammellager zum Bahnhof Grunewald
Am 18. Oktober 1941 verließ der erste sogenannte „Osttransport“ den Bahnhof Grunewald. Die Nationalsozialisten und ihre vielen Helfershelfer deportierten mit diesem Transport 1.013 jüdische Frauen, Männer und Kinder aus Berlin. Ihr Ziel war das Ghetto Litzmannstadt im polnischen Łódź, das von deutschen Truppen besetzt war.
Bereits bis zum 15. Oktober hatten sich die zur Deportation bestimmten Menschen mit ihrem Handgepäck in der Synagoge Levetzowstraße einfinden müssen. Das Gotteshaus diente als Sammellager. Die Menschen, die dort zusammenkommen mussten, waren zu diesem Zeitpunkt bereits entrechtet: ihrer sozialen Stellung und ihres Besitzes beraubt, aus der Gesellschaft ausgestoßen und zu Nummern degradiert.
Für die Jüngeren führte der Weg von dort zu Fuß zum Güterbahnhof Grunewald. Acht Kilometer mussten sie durch die Innenstadt laufen – unter den Augen der Berliner Bevölkerung.
Deportation unter dem Vorwand der Umsiedlung
Die nationalsozialistischen Behörden gaben die Deportation als „Umsiedlung“ aus. Unter diesem Vorwand pferchte die Gestapo die Menschen in den Zug. Die Deutsche Reichsbahn transportierte die jüdischen Frauen, Männer und Kinder anschließend in Richtung Osten.
Die Angst vor weiteren Deportationen trieb zahlreiche Menschen in die Verzweiflung. Danach nahmen sich etwa 1.600 jüdische Frauen, Männer und Kinder aus Furcht vor der drohenden Verschleppung das Leben.
Erinnerung an die Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung
Der nationalsozialistische Terror richtete sich auch gegen weitere Menschen und Bevölkerungsgruppen. Bis zum Ende der Nazidiktatur wurden Sinti und Roma, politische Gegner, Zeugen Jehovas und Bekennende Christen sowie Homosexuelle verfolgt, misshandelt, deportiert und getötet. Menschen wurden ebenso wegen ihrer Gesinnung, ihrer Nationalität, einer Behinderung oder einer Erkrankung zu Opfern der Verfolgung.
In Berlin fielen dem Terror der Nationalsozialisten mindestens 55.000 Frauen, Männer und Kinder zum Opfer.
An diesen Zivilisationsbruch und die damit verbundenen persönlichen Schicksale erinnert das Gedenkprojekt auf 25 Litfaßsäulen in allen Berliner Bezirken. Die großflächig gestalteten Plakate bringen die Erinnerung an die Verfolgten in das heutige Stadtbild. Vom 13. Oktober bis zum 16. November 2026 wird das Projekt durch Gedenkveranstaltungen an den Litfaßsäulen begleitet.
Standorte der 25 Litfaßsäulen
| Block | Ortsteil | PLZ | Standort | Bio 1 | Bio 2 | Bio 3 |
|---|---|---|---|---|---|---|
| A | Hellersdorf | 12623 | Hönower Str. 79 (S-Bhf. Mahlsdorf) | Reissner | Franzen | Scheucher |
| A | Kreuzberg | 10967 | Kottbusser Damm 35 | Schoeps | Friedländer | Roeder |
| A | Marzahn | 12683 | Elsterwerdaer Platz vor Köpenicker Str., ggü. 26 (U-Bhf.) | von Klepacki | Rosenberg | Roth |
| A | Neukölln | 12051 | Siegfriedstr. ggü. 25 vor Hermannstr. (am S-Bhf. Hermannstr.) | Althof | Birkenfeld | Sieg |
| A | Reinickendorf | 13439 | Wilhelmsruher Damm 138–140 hinter Senftenberger Ring | Gabriel-Redlich | Coppi | Burthz |
| A | Reinickendorf | 13465 | Zeltinger Platz 15 hinter Zeltinger Str. | Schulz | Liebert | Lüben |
| A | Schöneberg | 10785 | Kurfürstenstr. 150 vor Potsdamer Str. | Schlome | Pfeil | Hennoch |
| A | Spandau | 13581 | Borkumer Str. 1, Klosterstr. | Muhs | Schön | Zeller |
| A | Spandau | 13599 | Gartenfelder Str. 104 hinter Haselhorster Damm | Steffen | Adam | Siegmann |
| A | Steglitz | 12163 | Hubertusstr. 1 hinter Schloßstr. 106 | Simon | Hamburger | Gerson |
| A | Tiergarten | 10555 | Bundesratsufer, Dortmunder Str. | Schlesinger | Moses | Lewkowitz |
| A | Treptow | 12435 | Elsenstr. 5 hinter Puschkinallee | Einhorn | Selbiger | Mugdan |
| A | Zehlendorf | 14163 | Potsdamer Str. 52 hinter Martin-Buber-Str. | Pick | Reichwein | Korn |
| B | Charlottenburg | 10707 | Kurfürstendamm 64–65 hinter Giesebrechtstr. | Gottschalk | Schragenheim | Strauß |
| B | Charlottenburg | 10623 | KNB/Bleibtreustr. 13, Ecke Niebuhrstr. | Adelsberger | Yva | Eppstein |
| B | Friedrichshain | 10247 | Samariterstr. 1 hinter Frankfurter Allee | Hirsch | Jacobsohn | Wolf |
| B | Hohenschönhausen | 13051 | Prerower Platz, Zingster Str. ggü. 5 hinter Falkenberger Chaussee | Nelhans | Salzmann | Frey |
| B | Köpenick | 12459 | An der Wuhlheide 256 hinter ggü. Rudolf-Rühl-Allee | Feldmann | Fichtmann | Cohn |
| B | Lichtenberg | 10367 | Weißenseer Weg 23 vor Landsberger Allee | Prelle | Lange | Segal |
| B | Mitte | 10115 | Torstr. 201 hinter Borsigstr. | Ury | Pohl | Tobias |
| B | Neukölln | 12043 | Karl-Marx-Str. 92–98 ggü. Anzengruberstr. | Schwarz | Schiftan | Luft |
| B | Pankow | 13156 | Hermann-Hesse-Str. 26 | Fischer | Rosenthal | Samter |
| B | Prenzlauer Berg | 10407 | Danziger Str. 219–221, Rudi-Arndt-Str. | Stenschweski | Kibak | Arnfeld |
| B | Tempelhof | 12109 | Kaiserstr. 109 hinter Mariendorfer Damm 78 | Schumacher | Ansbach | Kolmar |
| B | Wilmersdorf | 10713 | Blissestr. 6 vor Wilhelmsaue | Meisels | Wolle | Lorsch |
Plakatierung Block A: 13. Oktober bis 12. November 2026
Plakatierung Block B: 16. Oktober bis 16. November 2026
Weitere Informationen und Kontakt
Informationen zum Gesamtprojekt „Sie wollten leben!“:
https://gleis69.de/projekte/sie-wollten-leben
Anfragen an:
Günter Jeschonnek
E-Mail: guenter.jeschonnek@outlook.de

